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Zu Besuch bei Tim Raue in der Brasserie Collette

Montagabend in Berlin – wohin zum Fine Dining?

Berlin hat sicherlich keinen großen Mangel an Fine Dining Restaurants. Schwierig wird es aber doch, wenn man an einem Montagabend gut essen gehen möchte. Sterneköche haben ihre Ruhetage gerne am Sonntag und Montag. Also genau wie wir. So saßen dann Ute und ich an einem schönen, sonnigen Julimontag im Zoo Berlin und haben überlegt, wo wir denn am Abendessen gehen wollen. Eine Suche bei Google Maps in der fußläufigen Umgebung des Hotels brachte zu Tage, dass doch tatsächlich die Brasserie Collette am Montag geöffnet hat. Also spontan einen Tisch online gebucht.

Die Lage, das Ambiente und ein Blick in die Karte

Das Restaurant ist strategisch günstig hinter dem KaDeWe gelegen. Die Einrichtung ist modern und verströmt Gastfreundlichkeit. Wir konnten uns einen der Tische am Fenster aussuchen. Die Karte ist sehr übersichtlich und dient gleichzeitig quasi als Platzdeckchen. Auf der linken Seite die Gerichte, die man à la carte bestellen kann, rechts gibt es drei Menüs: La selection de Tim Raue, Collette vegan und Rinderfilet Wellington. Ute hat à la carte gegessen und ich habe mir die Selection de Tim Raue inclusive Weinbegleitung bestellt. Preislich fährt man offensichtlich besser, wenn man à la carte isst.

Restaurantkritik Brasserie Colette: Die Karte
Die Karte der Brasserie Colette im Juli 2025 – zum Vergrößern anklicken

Brot, Butter und kleine Hürden zum Start

Vorab bekommt man Butter, Brot und Cornichons. Das Sauerteigbrot war große Klasse, auch die Gurken: Lecker. Abstriche gibt es leider für die Butter. Die war wohl frisch aus dem Kühlschrank und ließ sich überhaupt nicht sinnvoll auf dem weichen Brot verteilen. Einmal ganz abgesehen davon dass Butter, wenn sie zu kalt ist, auch geschmacklich ihre Wirkung nicht entfalten kann. Aber vielleicht liegt der tiefere Sinn der harten Butter ja auch darin, dass man nicht alles aufisst, bevor die ersten Gänge kommen. Und das macht tatsächlich Sinn.

Butter, Brot und Cornichos zum Start

Vorspeisen: Austern, Kalmar und intensive Aromen

Ute hatte sich drei gratinierte Austern mit Sauce Hollandaise und Fenchelbutter bestellt. Nun sind wir beide, Ute und ich, recht verschieden, was unsere Geschmacksnerven anbelangt. Sie ist sehr sparsam mit Gewürzen, insbesondere mit Salz. Ich hingegen salze meistens nach, was sie überhaupt nicht leiden kann. Deshalb ist Salz auch bei uns das so genannte „böse Gewürz“. Und man weiß eigentlich auch, dass Essen bei Tim Raue nichts für Weicheier ist. Schließlich steht er im Ruf, Gerichte gerne so zu komponieren, dass böse Zungen durchaus behaupten könnten, sie wären überwürzt. Jedenfalls durfte ich dann Utes Austern zusätzlich zu meiner Vorspeise essen. Natürlich kann man dann trefflich darüber streiten, ob es nun ausgerechnet eine Auster sein muss, wenn der eigentliche Rohstoff von den Gewürzen geschmacklich überdeckt wird, aber ich war ansonsten durchaus zufrieden. Ich hatte Kalmar, Stachelbeere, Topinambur und Jalapeño. Und wenn Jalapeño dasteht, darf man auch intensive Geschmackserlebnisse erwarten. Jedenfalls war das der Moment, in dem wir beide recht froh waren, noch Brot übrig gelassen zu haben.

Restaurantkritik Brasserie Colette: Kalmar, Stachelbeere, Topinambur und Jalapeno
Kalmar, Stachelbeere, Topinambur und Jalapeno

Hauptgerichte: Carpaccio, Flammlachs, Roastbeef & Loup de Mer

Versöhnt wurde Ute wieder durch das Rinder Carpaccio mit Imperial Kaviar, Eigelb und Rauchbutter. Ich hatte den Flammlachs mit Salz, Zitrone und Tomate und war durchaus begeistert von der Zartheit in Geschmack und Textur. Dann kam das Charolais Roastbeef mit Senfsaat Aubergine und rote Zwiebel für mich. Große Klasse und absolut das, was man sich unter Fine Dining vorstellt. Ute bekam den Loup de Mer: Wassermelone, Brin d’Amour, Merguezbeurreblanc & Rosmarinkartoffeln. Sonst ist es ja immer so, dass wir verschiedene Gerichte essen und uns gegenseitig zum Verkosten einladen. Vom Loup de Mer habe ich jedoch nichts abbekommen. Ihr Kommentar: zum Niederknien.

Weinbegleitung: Eine Reise durch Frankreich und Deutschland, Service mit kleinen Schwächen

Noch ein Wort zur Weinbegleitung. Wir wurden gefragt, in welche Richtung unser Weingeschmack so geht – und der Servicemitarbeiter hat das auch sehr gut umgesetzt. Wir hatten eine schöne Reise durch französische Weinregionen, die uns sowieso gut gefallen, ergänzt mit einigen deutschen Weinen, die für uns total überraschend waren. In Erinnerung geblieben ist uns da noch ein Pfälzer Wein, der im Bukett sehr ähnlich einem Marlboro war. Aber auch der Chablis und der Sancerre waren total lecker. Großes Kino war auch der Chateau Neuf du Pape zum Roastbeef. Schade war, dass der uns betreuende Servicemitarbeiter offensichtlich gegangen war, als sich die Reihen der Gäste schon gelichtet hatten und es wohl an der internen Kommunikation etwas gehakt hat. Jedenfalls war Ute dann schon eine ganze Weile ohne Getränk und das ließ sich dann auch erst ändern, als wir die noch verbliebene Servicemitarbeiterin auf diesen Umstand aufmerksam gemacht haben. In dieser Preisklasse schon recht ungewöhnlich.

Keramiker-Blick: Das Geschirr unter der Lupe

Zu meckern hat auch der Keramiker in mir: Das Geschirr war nicht wirklich schlecht, aber doch recht gängige Industrieware. Dieselben flachen Platten und kleine, tiefere Teller haben sich abgewechselt. Ergänzt wurde das manchmal noch durch flache Teller mit grünlicher Glasur, bei denen der Hersteller versucht hat, die Anmutung von Handarbeit zu erzeugen, indem normalerweise beim Drehen auf der Töpferscheibe entstehende Unregelmäßigkeiten in die Stanzform eingearbeitet waren. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich doch die Industrie des Trends zu handgemachter Keramik, der so vor 10, 12 Jahren aufgekommen war, bemächtigt hat. Interessant dazu: Der Artikel von Mary Ann Steggles, den wir hier nochmal veröffentlicht haben.

Restaurantkritik Brasserie Colette: Karamellganache, Avocado und Passionsfruchtessig
Karamellganache, Avocado und Passionsfruchtessig

Dessert mit Überraschungseffekt

Erwähnung finden soll dann noch Utes Dessert: Karamellganache mit Avocado und Passionsfruchtessig. Sie bestellt ja gern Gerichte, die ungewöhnlich klingen. Schließlich waren wir noch nie auf die Idee gekommen, Avocados für einen Nachtisch zu verwenden. Aber das war so überzeugend, dass sie das umgehend für ihre Kreationen verwertet hat.

Aus Utes Küche: Salzkaramelleis, Blaubeere, Kivi, Avocado, Schokolade, karamellisierte Oliven
Aus Utes Küche: Salzkaramelleis, Blaubeere, Kivi, Avocado, Schokolade, karamellisierte Oliven

Fazit: Ein gelungener Abend in der Brasserie Colette

Bezahlt haben ungefähr 350,-€, was unserer Meinung nach durchaus angemessen war. Vielen Dank an Küche und Service für einen wunderbaren Abend!


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